Malerei für die Ewigkeit
Ausstellung im Bucerius-Kunstforum
vom 13. Oktober 2007 bis zum 20. Januar 2008
Öffnungszeiten
Das Bucerius-Kunstforum hat keine eigene Sammlung, sondern zeigt nur und ausschließlich Sonderausstellungen zu speziellen Themen, zu denen Fremdkuratoren eingeladen werden, Leihgaben aus anderen Museen und Ausstellungsstätten zusammenzustellen. Insgesamt sind es jährlich vier Ausstellungen. Das Bucerius-Kunstforum ist darum nicht immer offen, aber wenn eine Ausstellung gezeigt wird, ist es täglich bis 19:00 geöffnet. Statt montags zu schließen, gibt es für alle Besucher einen vergünstigten Sonderpreis.
Leitsystem
Man kommt herein und ist gleich mittendrin. Das Bucerius-Kunstforum ist so klein und übersichtlich, daß keine Zweifel über das Woher und Wohin aufkommen. Toiletten und Cafeterie sind ausgeschildert und auch für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer sicher zu erreichen. Der Besucherandrang war nicht so groß, daß die Verteilung der Besucher ein Problem gewesen wäre.
Präsentation
Die Ausstellung bestätigt die alte Weisheit, wonach neue Besen gut kehren. Es gibt keinen "Haus"-Kurator, der die Ausstellungen ausrichtet. Vielmehr wird jede Ausstellung von anderen Kuratoren gestaltet - diese Ausstellung sogar von zwei. Da ist der Kurator schon mal näher am Puls der Zeit und sieht im Besucher keinen Störfall, sondern als Glücksfall: "Oh, da ist jemand, der etwas über die Begräbnisrituale der Lucaner vor 2.500 Jahren erfahren möchte. Dann wollen wir ihm doch mal was erzählen.".
Die Bilder der Ausstellung zeigen eine zwar gedrängte, aber überzeugende Präsentation dieses sperrigen und randständigen Themas (es ging mir wie manchen befragten Besucher: Die Gräber und die Begräbnisrituale der Lucaner in Paestum waren mir weder als Thema einer Ausstellung noch als Diskussionspunkt je begegnet). Die Beleuchtung ist perfekt, sogar in die Vitrinen konnte man hineinschauen, ohne den Sitz der Krawatte überprüfen zu können.
Komfort
Dank der Klappstühle kann man sitzen, wo man will, eine Caferia ist vorhanden, die Toiletten sind gut erreichbar und mit ihrer modernen Ausstattung sehenswert. Das Aufsichtspersonal ist zurückhaltend und sachkundig.
Informationen vor Ort
Es ist vielleicht die Folge des Konzeptes des Bucerius-Kunstforums, daß der Besucher hier tatsächlich verknüpfende Informationen und übergreifende Hinweise bekommt. So sind den Architekturmodellen der Tempel künstlerische Rezeptionen in Form von Gemälden gegenübergestellt und im Untergeschoß finden sich Bücher und Berichte von Reisenden und Forschern. Tradition hat im Bucerius-Kunstforum ein kleines Kino im Untergeschoß mit einem Video zum Thema - unspektakulär und lehrreich.
Die Beschriftung der Exponate ist zwar auf Hüfthöhe angebracht, aber durch lesefreundliche Schrägstellung und blendfreie Beleuchtung dennoch gut zu lesen. Im Untergeschoß hätte ein bißchen mehr Licht nicht geschadet. Auf den Tafeln finden sich viele Informationen, die der Audio-Führer (+2,00 Euro) bietet. Warum können das nicht andere Häuser auch?! Vorbildlich sind die vielfältigen Verknüpfungen mit anderen Exponaten. In anderen Ausstellungen und Museen für gewöhnlich schmerzlich vermißt sind die Hinweise zur Ikonografie der Malerei. Allerdings fehlen Angaben über die Enstehungszeit der Gräber an den Exponaten. Einziger Wermutstropfen für fremdsprachige Besucher. Die Tafeln sind nur auf deutsch. Der Audio-Führer ist auch in einer englischen Version erhältlich.
Informationen zum Mitnehmen
Ja, das Fotografieren ist gestattet, der Katalog (auch übers Internet zu bestellen) ist dickleibig und verspricht die Informationen, die in der Ausstellung noch fehlen: aus welchem Stein die Gräber gefertigt wurden, welche Farben Verwendung fanden undwie diese gewonnen wurden.
Die Homepage ist abgesehen von der gewöhnungsbedrürftigen horizontalen Präsentation geradezu ein Vorbild. Der Besucher findet Bilder und Texte zu einigen ausgewählten Exponaten der aktuellen Ausstellung und - sehr nützlich und viel zu selten gesehen - ein Archiv mit den Internetseiten der vergangenen Ausstellungen.
Lohnt sich der Besuch?
Ja.
Und der Veranstalter macht es Ihnen leicht: montags gibt's einen günstigen Sonderpreis, donnerstags ist bis 21:00 geöffnet und bei Vorlage des HVV-Tickets (wenn Sie die Ecken mit freien Parkplätzen nicht kennen, fahren Sie bitte mit der Bahn zur Austellung!) gibt's einen Preisnachlaß. Viele Informationen des Audio-Führers sind zwar auch auf den Tafeln zu den Exponaten nachzulesen, aber die 2,00 Euro sind dennoch gut angelegt und mit Gewinn gehört.
Das Bucerius-Kunstforum befindet sich direkt neben dem Rathaus (westlich davon oder rechts, wenn Sie davor stehen) und bietet sich darum als Fluchtpunkt an, wenn Sie der vielen Weihnachtsmärkte in der Umgebung überdrüssig sind. Das Bucerius-Kunstforum ist geheizt, es riecht nicht nach fettiger Wurst und plörrigem Glühwein, keiner rempelt Sie mit einem Fischbrötchen an - und man kann sein Wissen um ein paar Facetten erweitern.
Randnotizen
Dieser Bericht entstand am 7. November 2007. Verfasser ist Matthias Rojahn. Er hat eine eigene Homepage.