Frankfurt Städel-Museum
Sonderausstellung Lucas Cranach d. Ältere

23. November 2007 - 17. Februar 2008

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Lucas Cranach der Ältere

Lucas Cranach der Ältere war eine Ausnahmeerscheinung. Er war als Unternehmer und Künstler gleichermaßen erfolgreich und von seinem Werk hat ein großer Teil die Jahrhunderte überdauert.

Lebensdaten

Genaue Geburtsdaten sind nicht bekannt. Er wurde um 1472 in Kronach (Franken) geboren (daher rührt, so die landläufige Meinung, auch der Name Cranach). Gestorben ist Lucas Cranach der Ältere am 16. Oktober 1553 in Weimar im seinerzeitig biblischen Alter von 81 Jahren. Seine Lebensspanne fiel in die vielleicht spannenste Zeit der europäischen Geschichte: Kolumbus entdeckte das, was er für Indien hielt, sich aber als neuer Kontinent erwies, dem später der Name Amerika zugewiesen wurde. Luther erschütterte mit seiner Kritik am Ablaßhandel das Fundament aller europäischen Herrschaft, indem er der Macht des Papstes trotzte und mit seiner Umdeutung des Glaubens eine Bewegung anstieß, die das Ende des Mittelalters markierte und das Tor zur Neuzeit aufstieß. Cranachs Leben ist mit den Turbulenzen der Reformation eng verwoben. So war er mit Luther befreundet, war dessen Trauzeuge, und gab der Reformation eine eigene Bildersprache. Die Bilder des neuen Glaubens verbreiteten sich wie dessen inhaltlichen Botschaften dank des neuen Mediums der Druckerpressen schnell über das ganze Land. Cranach war Hofmaler am sächsischen Hof und folgte seinem Dienstherrn in die Gefangenschaft nach Augsburg und später in dessen neue Residenz nach Weimar.

Karrieremarken

Lucas Cranach der Ältere ist heute vor allem als Maler bekannt. Man weiß von rund 5000 Gemälden und Bildern, von denen über 1.000 in verschiedensten Museen und Sammlungen die Zeiten überdauert haben. In Anbetracht der vielen Zerstörungen durch Kriege, Plünderungen und Unglücksfälle ist das ein sehr beachtlicher Teil. Über 100 davon können in der Ausstellung Lucas Cranach der Ältere im Städel-Musem in Frankfurt betrachtet werden.

Weniger bekannt ist, daß Cranach als Unternehmer erfolgreich war. So betrieb er eine Apotheke mit angeschlossener Kneipe und - nicht zu unterschätzen - eine perfekt organisierte Werkstatt. Hier arbeiteten eine Vielzahl Maler und Gehilfen nach Vorlagenund Vorgaben die Aufträge ab. Die Anzahl der Motive war begrenzt, die Vorlagen wurden in der jeweiligen Ausfertigung den aktuellen Modeströmungen angepaßt. Es ist heute in vielen Fällen nicht möglich einzelne Bilder der Hand Cranachs oder der seiner Werkstatt eindeutig zuzuordnen. Die Ausstellung zeigt einige Beispiele dieser Arbeitsweise: einzelne Gemälde zeigen das selbe Motiv mit fast identischen Inhalten bei minimalen Abweichungen: Zeitgleich mit Dürer hatte auch Cranach die Produktion von Bildern und Grafiken industrialisiert. Die Produktion funktionierte sogar, ohne daß Cranach der Ältere vor Ort war. Während der Gefangenschaft in Augsburg leitete Cranachs Sohn, Cranach der Jüngere, die Werkstatt. Qualitative oder wirtschaftliche Einbußen sind nicht überliefert.

Bei der Auswahl seiner Kunden war Cranach der Ältere ähnlich wählerisch wie später Krupp: wenn die Kasse stimmte, arbeitete Cranach sowohl für seinen Freund Luther als auch den Gegner, den Kardinal Albrecht von Brandenburg. So war er maßgeblich an der Ausformung und Gestaltung eines protestantischen Bilderkanons beteiligt, wie auch an der Weiterführung papasttreuer Genre-Bilder. Die Kunden wußten solche Beliebigkeit zu schätzen, überhäuften Cranach mit Aufträgen der unterschiedlichsten Art und zahlten dafür gute Honorare.

Außerdem unterhiel Lucas Cranach der Ältere einen florierenden Gewürzhandel und engagierte sich in den seinerzeit neuen Medien, indem er als Verleger auch die Bücher produzierte, an deren Gestaltung er selbst oder seine Werkstatt beteiligt war. Als wichtigster Steuerzahler seiner Stadt schaltete er sich auch in die Politik ein und stand dem Rat der Stadt vor.

Zeitgenossen

Einige Namen sind schon erwähnt. In Augsburg traf Cranach mit Tizian zusammen. Mit Dürer hat Cranach gemeinsam das Gebetbuch für Maximilian I ein Gebetbuch illustriert. Weitere Zeitgenossen waren Philipp Melachton, neben Luther die treibende Kraft in der europäischen Reformation, Karl V, Holbein der Ältere, Pieter Breughel der Ältere. In Florenz und Rom wirkte Michelangelo. Ob die beiden voneinander wußten, ist nicht bekannt.

Werkpalette

Der Ausstoß der Werkstatt war beeindruckend: Gemälde auf Holz, wie sie die Ausstellung versammelt sind, stellen nur einen Bruchteil der Produktion dar. Cranach lieferte seinem Dienstherrn ebenso Festdekorationen, Raumausstattungen, Wandmalereien, bemalte Tücher und dergleichen mehr, von denen die meisten heute verloren sind. Dabei waren die Rahmenbedingungen alles andere als günstig: Eine notorisch leere Reichskasse, Reformation und Hexenverfolgung, Bauernkrieg und Bildersturm waren die historischen Parameter, die manch anderen Berufsgenossen wie z. B. Hans Holbein d. J. zur selben Zeit aus dem Land trieben.

Seine frühen Landschaftsdarstellungen waren wegweisend, religiösen Themen hauchte er völlig neues Leben ein, für den reformierten Glauben schuf er gänzlich neue Bildtypen.

Was schon die Porträts der Wiener Frühzeit belegen, gilt auch für spätere Bildnisse Cranachs: In seinen besten Werken steht er als Bildnismaler gleichberechtigt neben Albrecht Dürer und Hans Holbein, den beiden bedeutendsten deutschen Porträtisten des 16. Jahrhunderts. Dabei zeigen Cranachs Bildnisse weniger das Streben nach einer streng objektiven, „fotografischen“ Wiedergabe als vielmehr den Versuch, auch eine psychologisierende Charakterisierung in die Darstellung mit einzubeziehen.

Unbestritten ist Cranachs Bedeutung als Maler der Reformation – seine Porträts von Martin Luther und seiner Frau Katharina von Bora, Friedrich dem Weisen, seinem Dienstherren oder Philipp Melanchthon wurden in der Cranach-Werkstatt in Serie produziert und prägen bis heute unsere Vorstellung von diesen Persönlichkeiten. Daneben war Cranach maßgeblich an der Entwicklung genuin protestantischer Bilderthemen beteiligt, die Luthers Lehre propagierten und trotz Bilderstürmerei überdauern konnten.

Gleichzeitig blieb er aber einer altgläubigen Auftraggeberschaft treu. In seiner Werkstatt entstanden bis zu seinem Lebensende zahlreiche Madonnenbilder, von denen einige bis heute als Gnadenbilder besonders verehrt werden. Für Kardinal Albrecht von Brandenburg, den Gegenspieler Luthers, lieferte er nicht nur die Entwürfe zu bedeutenden Kirchenausstattungen, sondern porträtierte diesen mehrfach – in der Rolle des Kirchenvaters Hieronymus. Cranachs unerschöpfliche Gabe zu neuen Bildformulierungen zeigt sich aber vor allem in den zahlreich erhaltenen profanen und mythologischen Bildthemen. Venus mit und ohne Amor, Lucretia, das Silberne und das Goldene Zeitalter, das Urteil des Paris und die Taten des Herkules werden in zahlreichen Varianten durchgespielt.

Zur Spezialität von Cranach werden in verschiedenen Kontexten eingesetzte Aktdarstellungen. Diesen liegen, anders als bei Dürer, keine akribischen Proportionsstudien des menschlichen Körper zugrunde – Cranach entwickelt vielmehr einen idealisierten, zierlich-eleganten Typus der „Kindfrau“, den er in immer neuen Variationen darstellt.

Thema der Ausstellung

Hier geht es um die Frage: unter welchem Gesichtspunkt haben die Ausstellungsgestalter die Exponate zusammengetragen? Die Ausstellung möchte die Frage beantworten, welche die bisherigen Ausstellungen allesamt offen ließen: Was machte Lucas Cranach so erfolgreich? Man darf gespannt sein, welche Antworten die Gestalter der Ausstellung Cranach der Ältere im Städel-Museum dem Besucher anbieten, wie diese Antworten präsentiert werden und ob sie Deutungsmöglichkeiten offenhalten. Die Pressemitteilung enthielt zumindest keine Antworten.

Leihgeber und Sponsoren

Das Städel-Musem verfügt über eine gut sortierte Sammlung von Werken Lucas Cranch des Älteren. Die große Anzahl von Werken auch und gerade zu jeweils gleichen Motiven entstand durch die Zusammenarbeit mit vielen Museen und Sammlungen: Zu den Leihgebern zählen zahlreiche nationale und internationale Privatsammlungen und Museen wie die Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Kunsthistorische Museum Wien, die Uffizien, Florenz, die National Gallery Washington, das J. Paul Getty Museum, Los Angeles, die National Gallery London, das Museo Nacional del Prado, Madrid, und das Metropolitan Museum of Art, New York.

Auch und gerade in diesen Zeiten gilt Lessings Stoßseufzer Die Kunst geht nach dem Brot. Zu den Sponsoren der Ausstellung Cranach der Ältere im Städel-Museum zählen die Commerzbank-Stiftung, die Firma Kohlberg, Kravis, Roberts & Co., die Fraport AG, die FAZIT-Stiftung und Alnatura.

Technische Daten

Öffnungszeiten

Traurig aber wahr, trotz des eigenen Anspruchs, "eines der bedeutendsten und bekanntesten Kunstmuseen in Deutschland" zu sein (Text auf der ansonsten kargen Homepage) und der vielen Sponsoren reicht es nicht zu einer täglichen Öffnung. Montags verschwindet also eines der bedeutendensten Kunstmuseen in der Bedeutungslosigkeit. Mittwochs und donnerstags kann der Besucher dafür bis 21:00 Uhr ins Städel-Museum, an den anderen Öffnungstagen bis 18:00 Uhr. Geöffnet wird jeweils ab 10:00 Uhr.

Preise

Trotz Sponsoring muß der Besucher tief in die Tasche greifen: 10,00 Euro Eintritt und 4,00 Euro für den obligaten Audio-Führer machen den Besuch zu einem teuren Vergnügen.

(Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung des Städelmuseums und eigenen Recherchen.)