Gropius-Bau
Malerei für die Ewigkeit
Ausstellung vom 27. Juni 2008 - 28. September 2008
Ein Archäologe erfüllt sich einen Wunsch
Der Gropius Bau in Berlin hat mit dem Bucerius-Kunstforum in Hamburg die Tatsache gemeinsam, daß dort keine Dauerausstellung, sondern nur Sonderausstellungen gezeigt werden. Die Ausstellung "Malerei für die Ewigkeit" wurde ursprünglich im Bucerius Kunstforum von Berhard Andreae, einem Archäologen gestaltet und gezeigt, der die Grabhäuser in Paestum vor 40 Jahren entdeckt und geborgen hatte.
Informationen zur Ausstellung "Malerei für die Ewigkeit"
Ewig ist ganz schön lange, und so viele Jahre wie zum Beispiel Malerei aus der Pharaonenzeit bis in unsere Zeit überdauert hat, können die Gräber oder besser Grabhäuser aus Paestum nicht vorweien. Aber sie sind schon etwas sehr besonderes:
Tempel und Gräber
Paestum war bis vor 40 Jahren vor allem wegen der prächtig erhaltenen Tempel bekannt, die griechische Einwanderer vor 2.500 Jahren am Golf von Salerno errichtet hatten. Dabei mußten die Bauwerke schwere Zeiten überstehen: Sarazenen und Normannen zerstörten sie, das feuchte Klima der Sümpfe vertrieb nicht nur die Bewohner, sondern setzte auch der Baubsubstanz zu. Erst im 18. Jahrhundert rückten die Ruinen von Paestum in das Interesse bildungsbeflissener Bürger. Selbst Goethe war (Für Hinweise auf Orte, an denen Goethe nachweislich nicht war, ist die Redaktion dankbar :-) ) 1787 vor historischem Ort und notierte sich einige Zeilen.
Die Ausstellung Malerei für die Ewigkeit im Gropius-Bau greift das Thema der Tempel auf und bietet drei Architektur-Modelle auf. Aber die Tempel sind nicht das Sensationelle der Ausstellung.
Tief im Boden von Paestum verborgen, haben Grabhäuser die Zeiten bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhundert überdauert. Ein Tiefenpflug riß die Erde auf, um dort EU-Landwirtschaftshilfen zu verbuddeln, und legte dabei große Steinplatten frei, die sich als Seitenwände und Dachplatten von antiken Gräbern und Grabhäusern erwiesen. Nachdem die Grabräuber ihren allfälligen Obolus eingestrichen hatten, durften dann auch die offiziellen Archäologen aufs Feld und suchten, was noch da war. Bemerkenswert, wenn auch auf den Erklärungen zu den Exponaten nicht thematisiert, ist der Sachverhalt, daß auf keiner Grabplatte und auf keiner Grabbeilage Schriftzeichen zu sehen sind. Dabei war das Schreiben zur Enstehung des antiken Gräberfeldes 400 v.u.Z. bekannt und geläufig. So gesehen kann der Besucher eine spannende und lehrreiche Zeitreise antreten. Zeitgleich mit der Ausstellung "Malerei für die Ewigkeit" im Grupius-Bau läuft in Berlin die Sonderausstellung Babylon Mythos und Wahrheit im Pergamon-Museum. Wer die Zeitleiste von den antiken Gräbern in Paestum zur kulturell hochentwickelten Metropole in Babylon verlängert kann sich viele Gedanken über die Ungleichzeitkeit kultureller Errungenschaften machen. Manche handwerkliche, technologische und wissenschaftliche Stufen, die in Babylon um 200 v.u.Z. dokumentiert sind, werden auf dem italienischen Stiefel erst viele Jahrhunderte später erkennbar. Die Gelegenheit für diesen spannenden Vergleich ist günstig: der Gropius-Bau hat dienstags geschlossen, das Pergamon-Museum montags.
Bei den Ausgrabungen kamen mehr als 1000 Kalksteinplatten ans Tageslicht. Rund hundert von ihnen waren mit Fresken bemalt Auch ein paar Grabbeilagen konnten die Archäologen in Form von Vasen, Gürteln und Helmen aus Bronze, Messern und Kultgeräten bergen. Einer der damals beteiligten Archäologen war Berhard Andreae, der seinen Wunsch, die Grab-Platten wieder in der ursprünglichen Form zusammenzustellen, im Museum von Paestum nicht umsetzen konnte. Die Platten haben nämlich ein Gewicht von bis zu 2 Tonnen und hätten den Boden des Museums in den Keller gerissen. Also stellte man die Platten gleich in Keller und sparte sich den Umweg über die kaputte Decke. In Berlin bot Gropius-Bau einen geeigneten Veranstaltungsort. Er hat schon die wuchtigen Statuen der versunkenen Schätze aus Ägypten ertragen, so daß die Wanderausstellung dort ein sicheres Domizil findet.
Aus dem Keller durch die Welt
Berhard Andreae bekam als Kurator die Gelegenheit, die bis dahin wenig bekannten Gräber mit ihren Fresken und Grabbeilagen unter dem Titel Malerei für die Ewigkeit der Öffentlichkeit vorzustellen. So mußte man schon nach Hamburg kommen, um sich anzusehen, wie schon vor 2.400 Jahren Künstler unter Zeitdruck zu sehenswerten Ergebnissen kamen, die noch heute durch ihre sparsame und dennoch ausdrucksstarke Linienführung beeindrucken. Die Ausstellung war überraschend erfolgreich. Der unerwartet hohe Besucherzuspruch war Anlaß, die Ausstellung auch in anderen Häusern zu zeigen: Im Sommer zum Beispiel in Berlin.