Verpaßte Chancen

Das Bode-Museum ist erst im Sommer 2007 nach aufwendigen Renovierungsarbeiten wiedereröffnet worden. Es ist Bestandteil der Museumsinsel, auf der sich unter anderem auch das Pergamon-Museum und die alte Nationalgalerie befinden. Große Namen verbinden sich mit dem Gebäude-Ensemble: König Friedrich Wilhelm III gab 1810 die Anweisung zum Bau einer Kunstsammlung, Schinkel hat die Bauten entworfen und Wilhelm von Humboldt die Realisierung überwacht. Das neobarocke Bode-Museum beherrscht die Museumsinsel optisch durch die große Kuppel und schließt sie durch den dreieckigen Grundriß nach Nordosten ab. Leider findet die prächtige Wiederherstellung der Fassaden und Innenräume keine Entsprechung beim Informationsangebot.

Öffnungszeiten

Das Museum ist täglich von 10:00 bis 18:00 geöffnet. Der Eintritt kostet 8,00 Euro, beinhaltet zwar einen Audio-Führer und Taschen- und Mantelaufbewahrung, ist aber dennoch nicht eben billig. Gehbehinderte erreichen das Bode-Museum über einen Schrägaufzug, der vom Museums-Personal bedient wird.


Präsentation

Die Präsentation der Exponate ist ansprechend. Wenig Blendungen, die Beschilderung ist allerdings auf die Körpergröße von Kindern ausgerichtet und zwingt die Besucher zur gewohnten Demuts- und Unterwerfungshaltung. Exponate ohne Hinweis auf den Audio-Guide bleiben bis auf die technischen Daten unerklärt - das aber auch in englisch. Die Säle sind erfreulich luftig bestückt. Die Ausstellungsstücke kommen so sehr gut zur Geltung und erschlagen sich nicht gegenseitig. Bilder und Skulpturen sind thematisch in Räumen zusammengefaßt. Eine Übersicht, die beim Betreten eines Saals über dessen Inhalt informierte oder wenigstens ausführlich die Regeln verriete, nach denen die Exponate zusammengefaßt sind, sucht der Besucher vergebens. Großen Tafeln erläutern immerhin in vielen Räumen geschichtliche Zusammenhänge.


Leitsystem

Weniger gelungen ist die Wegweisung. Nützliche Hinweise sind Mangelware, der am Eingang in deutsch und englisch ausliegende Raumplan ist zwar originell, aber nicht eben erhellend. So ist der Eingangsebene die Ordnungszahl "1" und dem Keller die 0" zugeordnet. Die Ausstellungslogik oder ein empfohler Rundgang erschließt sich dem Besucher weder durch den Raumplan noch durch Informationstafeln in der Ausstellung.


Informationen vor Ort

Das Fotografieren ist überall gestattet: ein fetter Pluspunkt. Die Kataloglage ist unübersichtlich. Es gibt wohl mehrere, thematisch gegliederte Kataloge. Jedoch bleibt es unklar, auf welchen Katalog sich die Verweise auf den Info-Täfelchen beziehen. Selbst wenn es einen passenden Katalog gäbe (an der Kasse war er weder bekannt noch erhältlich), ist schon der Ansatz selber fragwürdig: soll der Besucher neben dem Audio-Führer auch noch einen oder mehrere Kataloge herumtragen, nur um herauszufinden, vor welchem Exponat er gerade steht? Der Audio-Führer liefert naturgemäß nicht zu allen Exponaten Erklärungen. Die vorhandenen Beiträge waren gut verständlich, informativ und in einer angemessenen Länge.


Informationen zum Mitnehmen

Wer seinen Fotoapparat mitgenommen hat, kann sich sich seine Exponate virtuell mitnehmen. Die Frage nach einem "offiziellen" Ausstellungskatalog konnte vor Ort nicht geklärt werden. Jedenfalls konnte ich keinen Katalog kaufen, der die aktuelle Ausstellung zum Gegenstand gehabt hätte.

Wer sich von der Homepage des Bode-Museums Aufklärrung erhofft, sieht sich enttäuscht. Die Adresse zeigt auf die Homepage der Museumsverwaltung Berlin. Wer dort nach Bode-Museum sucht, findet sichts. Wer nach dem Münzkabinett sucht, nach byzantinischer Kunst oder nach Skulpturen, wird fündig. Wie dort Tilman Riemenschneider oder Lukas Cranach d. Ä. hineinpaßt, erschließt sich vermutlich im 14. Semester Kunststudium. Pech für die, die schon nach 12 Semester fertig wurden. Es wäre großartig, wenn es wenigstens auf der Homepage eine Übersicht gäbe, welche Exponate von welchen Künstlern aktuell in welchem Museum zu sehen sind.


Komfort

Die Sitz- und Ruhemöglichkeiten sind sehr begrenzt. Sie reichen sicher für die doch überschaubare Besuchermenge aus, sind aber ungleichmäßig verteilt. An der Kasse gibt es aber kostenlos tragbare Klappschemel, die man zwar schleppen muß, aber eben auch dort Ruhe- und Betrachtungspunkte bieten, wo der Architekt keine Bank vorgesehen hat. Immerhin gibt es ein ansprechendes Café, in dem man sich für einen weitere Rundgang stärken kann.


Randnotizen

Dieser Bericht entstand am 15. Juli 2007. Verfasser ist Matthias Rojahn. Er hat eine eigene Homepage.